Tag 9: Übung Eisenkraut

Übungsvorbereitungen

Tagwache 05:45 Uhr. Frühstück essen. Anschliessend werden die Fahrzeuge vorbereitet. Einmal mehr Phase 0 erstellen: Materialbestände und Ölstände kontrollieren, Pneudruck checken. Dass wir das bereits zwei Mal (bei exakt diesen Fahrzeugen) getan haben, spielt keine Rolle. Ich mache einen Unteroffizier darauf aufmerksam, dass der Funk bei unserem Fahrzeug noch immer nicht funktioniert und dass wir ohne ein Funk keine Verbindung zu unseren Vorgesetzten hätten, aber durchaus ohne einen Schraubenschlüssel eine Übung fahren könnten. Der Unteroffizier ist frustriert und antwortet „Ich weiss, aber es interessiert mich nicht mehr“. Dementsprechend interessiert es mich auch nicht, ich helfe das Material kontrollieren (mehr schlecht als recht und ziemlich ineffizient) und warte darauf, dass die Funkverbindung schiefgeht. Das ist natürlich der Fall, trotzdem gehts um 9:00 Uhr auf die

Übung Eisenkraut

Die allgemeine Lage der Übung wird uns in einer kurzen Vorbesprechung nähergebracht: Das Nordland Dambia könnte uns (Helvetia) in naher Zukunft angreifen. Bisher gab es vereinzelte Übergriffe. Unser Auftrag: Wir sollen den Raum erkunden und uns für verschiedene Aufträge vorbereiten und bereit halten. Unser Zug (also unsere Einheit) erhält den spezifischen Auftrag, ein Dorf zu erkunden. Insbesondere sollen wir mögliche Stellungen und Beobachtungsposten dokumentieren und zurückmelden.

Bevor es losgeht, decken wir uns im Dorfladen mit den nötigen Fressalien für die Übung und die Woche ein. Etwas später suchen wir, wo wir ungestört die Strasse überwachen könnten und wo sich ein möglicher Gegner verstecken könnte. Um 11:30 Uhr treffen wir uns auf dem entsprechenden Dorfplatz, um unsere Resultate zusammenzutragen. Um 12:00 Fahren wir los, damit wir 20 Minuten später beim Essen in einem Waldstück eintreffen könnten. Unterwegs entdecken wir ein militärisches Fahrverbot, welches unsere Zufahrt von dieser Bergseite verhindert. Wir fahren also zurück und sind erst um 12:55 Uhr an Ort und Stelle. Dort gibt es für uns Soldtaten essen und für die Unteroffiziere und den Offizier eine Vorbesprechung. Diese drei (UO und Off) werden anschliessend zur Kaserne gefahren, um mit dem Kompanie-kommandanten die Lage zu besprechen.

Wir warten. Fangen an zu jassen, geniessen die Sonne im Tenue legere (d.h. Im T-Shirt) und ultra-legere (d.h. Oben ohne, selbstverständlich nicht von oben abgesegnet).
"Wir warten. Fangen an zu jassen, geniessen die Sonne im Tenue legere..."
Um 14:30 werden wir ausgelöst um zurück in die Kaserne zu verschieben. Dort sollen wir SIM Einheiten fassen. SIM Einheiten bestehen aus einem Laser fürs Gewehr, und einem mit Sensoren ausgestattetem Gewand, damit sich Soldaten gegenseitig treffen können und dadurch ein Gefecht simuliert werden kann. Unsere SIM Einheiten funktionieren nicht und nach einer Viertelstunde Pause verschieben wir in unseren Unterschlupf für die Nacht: Ein Bauernhof, der genügend Platz bietet um 5 Fahrzeuge einigermassen gedeckt unterzustellen und von dort aus kleinere Infanterie-trupps zur Aufklärung auszuschicken.

Infiltrationen und wie man die Basis nicht schützen sollte

Der Fokus der gesamten Truppe liegt komplett auf den Infiltrationen. Die Sicherheit der Truppe und der Fahrzeuge, also unserer Basis, wird komplett vernachlässigt. Geplant ist, dass die anderen Aufklärungseinheiten von uns beübt werden sollen (d.h. Wir kennen Ihre Aufenthaltsorte grob und sollen sie aufspüren). Wir hingegen haben noch keinerlei Kenntnis einer Beübung unsererseits. Wenn ich Chef wäre, wäre das genau die Situation die ich erzeugen würde, um unseren Zug zu testen. Zum Glück bin ich nicht Chef...

Um 19 Uhr, während der motiviertere Teil von uns sich auf ein nächtliches Abenteuer vorbereitet, sitzen wir Fahrer in der Abendsonne und verschwenden keinen Gedanken daran, dass jemand uns infiltrieren könnte. Das Sicherheitsdispositiv unserer Basis ist schlicht erbärmlich. Wir grillieren nachdem wir bereits das Nachtessen zu uns genommen haben. Um 22 Uhr gehe ich auf die Funkwache. Wir müssen doch immer noch erreichbar sein. Um den Schein zu wahren, wollen wir zumindest noch etwas Ausrüstung sammeln. Wir benötigen etwa eine halbe Stunde, um den letzten Restlichtverstärker zu finden: Die gesamte restliche Ausrüstung wurde zur Infiltration mitgenommen. Das heisst, unsere Basis ist Ausrüstungs-technisch völlig unterversorgt.
"Das heisst, unsere Basis ist Ausrüstungs-technisch völlig unterversorgt."


Während ich auf der Wache bin, wird Bier und Wein geöffnet. Der Lärmpegel steigt. Niemand rechnet mit einer Inspektion unserer Basis. Vermutlich zurecht, denn wir sind praktisch nur noch Fahrer. Nach 24 Uhr kann ich für 6 Stunden am Stück schlafen: Der grosse Vorteil Fahrer zu sein. Nachteil Fahrer zu sein: Übungen werden meistens verschlafen, denn Infiltrationen finden praktisch immer in Dunkelheit statt (die Sonne hilft dem Verteidiger und schadet dem Angreifer), und Fahrer schlafen in der Nacht. Fahrer schlafen also und haben dafür weniger Action. Ein Job mit dem ich leben kann.

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