Tag 5: Ausgang

Munition abspitzen

Morgen wie immer: Tagwache um 05:45 Uhr (offiziell). Frühstück bis 07:00 Uhr. Anschliessend ans Antrittsverlesen verschieben wir Richtung Schiessanlage bei der Häuserkampfanlage. Dort sollen wir das Schiessen mit unseren Aufklärungsfahrzeugen trainieren.

Natürlich gilt dies nur für Beobachter. Dazu ein wenig mehr Info: Die vier-köpfige Mannschaft eines Aufklärungsfahrzeugs ist nach Funktionen aufgeteilt: Es gibt einen Wagenkommandant (meist ein Unteroffizier oder Gefreiter), einen Funker, einen Fahrer und einen Beobachter. Fahrer und Funker sind meistens gleich ausgebildet und können sich in den Funktionen abwechseln. Der Beobachter hat die Aufgabe die unmittelbare Umgebung zu beobachten und feindliche Einheiten schnell zu identifizieren. Für den Fall, dass ein solches Team vom Feind entdeckt wird, gibt es ein Maschinengewehr auf dem Dach. Damit soll der Beobachter dann zur Abschrenkung auf den Gegner schiessen während Fahrer, Funker und Wagenkommandant damit beschäftigt sind, den Ort des Geschehens so schnell wie möglich zu verlassen und Meldung zu erstatten. Entsprechend müssen nur Beobachter das Schiessen üben, während wir Fahrer und Funker nichts anderes tun, als Munition „abzuspitzen“. Dass heisst wir erhalten Munitionsgürtel, welche wir etwas Abseits vom Schiessstand mit Patronen auffüllen damit unser Kollege sie anschliessend verballern kann. Zwei normale Patronen, dann eine Patrone Leuchtspurmunition, damit der Schütze auch weiss, wohin er zielt. Das tun wir den ganzen Morgen lang.
"Munitionsgürtel..Zwei normale Patronen, dann eine Patrone Leuchtspurmunition. Das tun wir den ganzen Morgen lang."
Wir sind allerdings genügend Leute, so dass wir 10 Minuten arbeiten müssen, um dann 30 Minuten Pause machen zu dürfen.

Beschäftigungsprogramm

Mittagessen in der Kaserne. Nach einem langweiligen Morgen, an dem wir nichts getan haben ausser zu essen und gelegentlich etwas Munition vorzubereiten, machen wir also genau so weiter...

Am Nachmittag werden wir zur Gefechtstechnikausbildung wieder zur Häuserkampfanlage gebracht. Zuerst eine Lektion Theorie: Krokis zeichnen. Krokis sind Pläne, in der Draufsicht und der Seitenansicht. Wir müssen lernen, wie Wälder, Felder, Wege, aber auch Beobachtungssektoren eingezeichnet werden. Malen nach Zahlen für Erwachsene, mit Gewehren.

Anschliessend Parcours mit Drillpiste um die nonverbale militärische Kommunikation zu trainieren. Wir sind Aufklärer und manchmal ist es nötig, zu Fuss in gegnerisches Gebiet einzudringen und dann unbemerkt miteinander zu kommunizieren. Bekannt aus jedem schlechten Kriegsfilm. Wir müssen also etwa 20 Zeichen auswendig lernen und diese dann auch anwenden. Ich muss gestehen, dass diese Übung wohl Sinn ergibt, auch wenn ich nicht sonderlich motiviert dafür bin.

Im Anschluss müssen wir zurück zur Kaserne, in den Fahrzeugpark und unsere Fahrzeuge auftanken. Das kommt uns etwas spanisch vor, weil wir gerade einmal 11 km (nochmals in Worten: Elf Kilometer!) zurückgelegt haben, seit die Autos gemäss Fahrtenbüchlein das letzte Mal getankt wurden. Wir fahren also 2 km zum angeforderten Tankwagen, lassen etwa drei Liter Diesel ein (das Aufklärungsfahrzeug benötigt etwa 30-35 L auf 100 km) und fahren zurück zur Kaserne.

Dort müssen wir duschen und uns umziehen: Tenu A, den Ausgänger. Beim Nachtessen gibt es Toast Hawaii und Salat. Wesentlich leichteres Essen als wir uns das von den letzten Tagen gewohnt sind. Es braucht keinen Einstein um herauszufinden, warum dies heute der Fall ist: Bei leichtem Essen wird weniger Alkohol getrunken. Und wenn jemand noch Hunger hat, muss er zuerst während der Freizeit noch etwas essen und hat damit weniger Zeit, um Alkohol zu konsumieren. Durchaus kalkuliert und berechtigt, wie sich später am Abend noch herausstellen wird.
"Durchaus kalkuliert und berechtigt, wie sich später am Abend noch herausstellen wird."


Ich bin nicht sonderlich motiviert für den Ausgang, kenne jedoch die Wichtigkeit des ersten gemeinsamen Abends ausserhalb streng kontrollierter Bedingungen für den Zusammenhalt im Zug (also meiner Einheit) und gehe mit. Bereits beim Ankommen im Bahnhof mit den Shuttlebussen verschlingen einige aus der Einheit einige HotDogs und Hamburger, genug um den Magen für die kommenden Strapazen vorzubereiten. Wir setzen uns in ein Restaurant wo es billiges Bier gibt. Ich trinke 1 grosses und zwei kleine Biere (ca. 1L) und einen Shot. Für mich mehr als genug zwischen 19 und 23 Uhr. Morgen kann ich gerade stehen, ohne Kopfschmerzen zu haben.
Andere übertreiben es. Ein Soldat, ein Frischling (auch Hamburger genannt) wird permanent herausgefordert und kann einfach nicht „Nein“ sagen. Als wir zurückkommen und ins Bett gehen, muss er sich übergeben und saut sein eigenes Bett und den Zimmerboden komplett ein. Ich fühle mich nicht verantwortlich, denn nicht ich habe dem „Hamburger“ insgesamt 10 Shots und unzählige Biere bezahlt. Die Geschichte dauert länger (mehrfaches Übergeben, wiederholtes Ohnmächtig-werden, komatöse Reaktionen sowie längeres Aufwischen der jeweiligen Sauerei). Die Situation verbessert sich auch nicht, wenn der Kompaniekommandant (auch Kadi) ins Zimmer spaziert, der Putzwagen im Zimmer steht und alles nach Ko.. stinkt. Noch schlimmer, morgen früh wird der Batallionskommandant, also der Chef des Chefs, zur Inspektion in unsere Kaserne kommen. Einige Minuten nach dem Kadi kommt der Feldweibel ins Zimmer (vermutlich auf Anraten des Kadis) und fragt kopfschüttelnd: „Muss ich auch etwas sagen?“ Er dreht sich um und geht wieder. Lichterlöschen um etwa 1:30 Uhr (geplant war 23:45 Uhr). Na dann Gute Nacht!

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