Tag 19: WEMA: Fahrzeuge abgeben

Fahrzeuge retournieren

Wie bereits erwähnt: 04:00 Uhr Tagwache. Wir quälen uns auf und gehen frühstücken. Um 04:35 Uhr stehen wir im Dunkeln beim Antrittsverlesen. Wir werden wieder in unsere Detachements eingeteilt und nun auch befohlen. Ziel: Die Autos unfallfrei zurück nach Othmarsingen ins Armee-Logistikzentrum zu befördern. Wir sitzen auf, müssen allerdings noch warten, weil einige Fahrzeuge nicht mehr genug Benzin/Diesel haben. Man fragt sich wie das passieren kann, wenn man doch sooo viel Zeit hatte, den Tagesparkdienst durchzuführen und die Fahrzeuge zu checken. Es ist ja auch nicht so, dass das Zurückfahren der Fahrzeuge eine wirkliche Überraschung ist..

Als wir um 05:30 Uhr schliesslich losfahren, haben wir unser Binom bereits verloren. Fahrzeuge werden in der Regel zu zweit verschoben, das Binom ist also unser „Partner“. Was solls, Othmarsingen ist nicht schwer zu finden. Wir schliessen uns unterwegs einem Fahrzeug an, welches auch alleine unterwegs ist. So macht es wenigstens den Eindruck als würden wir die Binomregeln befolgen. Irgendwann schliesst noch ein drittes Fahrzeg zu uns auf, der macht allerdings an einer Raststätte Pause. Eigentlich verboten, sind die Pausen allerdings für Fahrer eine gute Gelegenheit, nicht einzuschlafen (und damit keinen Unfall zu machen). Die Gelegenheit hätte ich entsprechend auch nutzen sollen, denn mein Beifahrer zuckt regelmässig von einer Schlafposition in die nächste und ich merke, dass ich auch gegen den Schlaf kämpfen muss.

Bei der nächsten Tankstelle fährt mein „Binom“ raus: Ich folge um etwas frische Luft zu schnappen. Wer einmal mit 80 km/h bei 90Dezibel unter einem Helm auf der Autobahn gefahren ist, weiss warum (notabene weder Musik, noch sinnvolle Lüftung). Das einzige was einen wach halten kann ist der Dialog mit dem Beifahrer, doch der hat absolut keinen Grund, nicht zu schlafen. Es ist kurz nach halb sieben und es stellt sich heraus, dass der andere Fahrer nicht mehr genügend Treibstoff hat. Er hat die militärische Tankstelle verpasst und muss nun privat (d.h. aus dem eigenen Sack) zahlen. Wer nicht hören will, muss fühlen. Wir fahren weiter und treffen um 07:15 Uhr auf dem Sammelpunkt vor dem Logistikzentrum ein.

Warten

Wir warten. Warum? Warum genau sind wir um 04:00 Uhr aufgestanden? Das Logistikzentrum öffnet erst um 8 Uhr.
"Warum genau sind wir um 04:00 Uhr aufgestanden? Das Logistikzentrum öffnet erst um 8 Uhr."
Der Grund ist folgender: Es geht darum, früher bereit zu sein als die Kompanie 1 und die Stabskompanie. Nur so ist sichergestellt, dass wir vor den anderen Kompanien Fahrzeuge abgeben dürfen und nicht noch länger warten müssen. Ein Investment in Zeit, sozusagen. Konkurrenzkampf wo keiner nötig wäre: Mit etwas geschickter Planung könnten solche Dinge einfach umgangen werden. Aber wir sind ja billig: Wir kosten gleichviel, ob wir schlafen oder warten...was der Steuerzahler wohl dazu meint?

Putzen und Zeughaus

Um kurz vor 9 Uhr (ja, eine Stunde nachdem das Logistikzentrum geöffnet hat) verschieben wir zum Zentrum, wo zunächst einige von uns von der Militärpolizei kontrolliert werden (Alkoholpegel, Ruhezeiten, Ladesicherung). Anschliessend wird wieder aufgetankt und die Fahrzeuge, respektive die Karosserie gereinigt.

Dann wird geputzt, Material kontrolliert und mit dem Personal des Armee-Logistikzentrums diskutiert. Um 12 Uhr gibt es ein Sandwich und anschliessend tun wir eigentlich nichts mehr, ausser darauf warten, dass einer der „Zeughüsler“, also ein Mitarbeiter des Logistikzentrums vorbeikommt, und uns sagt welches Materialstück wir wo hinlegen sollen. Das geschieht etwa alle 15 Minuten einmal. Zwei Mann pro Fahrzeug...alle 30 Minuten lege ich etwas von A nach B. Ich fühle mich etwas überqualifiziert für diesen Job. Selbstverständlich geht es nicht nur mir so.

Für uns am Ende dieses Schauspiels relevant: Kein Materialverlust und damit auch kein Abzug beim Sold. Um 15:30 Uhr müssten wir eigentlich nur noch ein paar sensitive Dinge (Funk und Kommunikationszubehör) auf die Autos zurückladen, aber die Mitarbeiter des Logistikzentrums verweigern dies, weil noch nicht alle Unterschriften auf den Formularen sind. Weil um 16:00 Uhr Feierabend ist, gehen wir heute halt nach Hause und machen den Rest morgen. Man fragt sich, ob man als Beamter in der Armee nur Teilzeit arbeitet (9:00 bis 15:30 Uhr, mit einer Stunde Mittagspause)..

Das letzte Abendmahl

Wir werden also die anderthalb Stunden zurück zur Kaserne chauffiert, wo wir uns für etwas Sport bereitmachen. Nachdem wir zunächst keinen Ball finden (wurde bereits im Materiallager abgegeben), kommt es einem Wunder gleich, dass ein Soldat noch einen privaten Fussball dabei hat und wir bis 19:30 Uhr spielen können. Anschliessend Nachtessen, Duschen und die Packung für die Heimreise erstellen. Diese Packung wird in einen Anhänger manövriert und morgen vor dem Abtreten ausgehändigt.

Nach der Packung halten wir ein kurzes Antrittsverlesen, bei dem wieder die Detachements für morgen bekannt gegeben werden. Ich helfe die Kaserne zu putzen (d.h. Ein bisschen Aufräumen, fürs Putzen gibt es schliesslich Putzpersonal). Etwas unverständlich ist, wieso wir heute wieder um 22:00 Uhr im Bett sein sollen und damit um 04:00 aufstehen dürfen: Vermutlich um den ganzen Tag aufs Abtreten zu warten. Beim Antrittsverlesen werden ausserdem Beförderungen vollzogen. Fünf Soldaten steigen in höhere Gefilde auf und werden zu Gefreiten oder Obergefreiten befördert. Im Prinzip sind das immer in etwa die gleichen Typen und Charaktere: Antreiber (die wirklich Leute mitreissen können), Übermotivierte (welche noch nicht begriffen haben, dass man entweder Offizier oder Soldat sein sollte, aber nichts dazwischen) oder Schleimscheisser...

Nach dem Antrittsverlesen (und nach Lichterlöschen) halten wir ein kleines Bankett mit übriggebliebener Zwischenverpflegung. Nicht dass dies das erste nächtliche Buffet wäre, ich war meistens einfach damit beschäftigt, die Zeilen für dieses Tagebuch niederzuschreiben. Das ganze dauert etwa bis 01:00 Uhr morgens.

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