Tag 17: Abschlussübung - Tag 2 - Teil 2

Abschluss der Übung

Etwas nach 17 Uhr finden wir uns wieder in unserer Kaserne ein. Plötzlich zieht das Tempo an, denn es geht nun darum noch heute das sensitive Material zum Bataillon zurückzufassen. Das hat einige Vorteile: Erstens, wir würden bereits heute erkennen, wenn etwas Wichtiges fehlt und gewinnen dadurch Zeit, das fehlende Material zu suchen. Zweitens ist es viel einfacher, ein konzentriertes Material-Lager zu überwachen, als dezentrales Material auf 20 Fahrzeugen. Das Überwachen ist wichtig,
"Plötzlich zieht das Tempo an, denn es geht nun darum noch heute das sensitive Material zum Bataillon zurückzufassen."
weil beim Zurückfassen von Material immer auch andere Kompanien auf Platz sind. Wenn also Kompanie 2 fehlendes Material hat, wird sie versuchen das bei Kompanie 0 und 1 zu „beschaffen“. Das Rennen um möglichst alles Material abzugeben und damit Kosten zu sparen beginnt also, und wer zuerst abgibt hat am wenigsten Probleme. Wenn Material nicht komplett abgegeben wird, wird das am Sold abgezogen. So schnell lässt sich aus einer Gruppe individueller Soldaten ein Kollektiv schaffen, denn jeder muss auf seinen eigenen Geldbeutel schauen. Ich erkenne hinter dem schnellen Handeln die Handschrift unseres Kompaniekommandanten.

Wir sind am effizientesten und geben, mit einer kleinen (günstigen) Ausnahme, komplett ab. Anschliessend führen wir einmal mehr den Tagesparkdienst an den Fahrzeugen durch. Interessant: Bei einem der Fahrzeuge muss Öl nachgefüllt werden und keiner (auch kein Unteroffizier oder Offizier!) auf Platz, ist sich sicher, wo das Öl nachzufüllen ist. Nach einigem Diskutieren und dem Nachlesen im Handbuch funktioniert aber auch das. Nach knapp drei Wochen WK sollte man vermutlich wissen, wie die Maschinen zu warten sind. Vor dem Nachtessen haben wir natürlich auch noch eine Übungsbesprechung mit dem Kader des Bataillons. Wir Soldaten hätten zwar erfüllt, das heisst unsere Leistung erbracht, müssten uns allerdings noch in vielen Punkten verbessern. So sei es zum Beispiel nicht unbedingt nötig, dass man den Übermittlern zwei mal einen Befehl erteilen müsse um ein Funkrelais aufzustellen. Den Fahrern sollte es auch ohne Befehl in den Sinn kommen, am Abend einen Tagesparkdienst durchzuführen und die Fahrzeuge zu warten. Zudem soll sich kein Soldat beklagen, wenn die Übung langweilig gewesen sei: Es gäbe immer Verbesserungen am Dispositiv (z.B. Bequemere Schlafplätze, bessere Beobachtungsmöglichkeiten oder idealere Aufenthaltsräume) anzubringen. Mit diesen Optimierungen werde es keinem Soldaten langweilig.

Meine Gegenargumente:
  1. Spezifisches Feedback für die Übermittler interessiert mich überhaupt nicht. Wo bleibt das spezifische Feedback für unseren Zug?
  2. Der Tagesparkdienst besteht aus zwei Teilen: Erstens die Fahrzeuge zu reinigen und zweitens die Funktionsfähigkeit der Fahrzeuge sicherzustellen. Wir sind erwachsen und haben jeweils einen Abfallsack dabei, um das Fahrzeug in Ordnung zu halten. Den Sack leeren wir bei Gelegenheit, aber sicher nicht bei Bauern die so nett sind und uns für eine Nacht aufnehmen. Betreffend der technischen Funktionsfähigkeit achtet jeder Fahrer wann immer möglich auf Anzeichen, das irgend etwas nicht stimmt. Steht man zum Beispiel auf einem geteerten Platz wirft man einen Blick unter das Fahrzeug um zu schauen ob Flüssigkeiten verloren werden. Wenn wir bei einem Bauern im Feld stehen, und es möglicherweise regnet (wie letzte Nacht), macht so ein Blick unters Fahrzeug wenig Sinn. Zusätzlich haben wir das Fahrzeug gerade einmal 150 km bewegt, seit dem letzten gründlichen Check. Allerdings hatte tatsächlich ein Fahrzeug einen technischen Mangel. Ob dieser wegen mangelnder Wartung oder schlicht aufgrund des Alters des Fahrzeugs (immerhin 17 Jahre alt) lässt sich kaum feststellen.
  3. Nach 2-3 Stellungswechseln können wir Soldaten davon ausgehen, dass auch die nächste Stellung nicht erst in drei Tagen befohlen wird. Entsprechend optimieren wir Aufwand und Ertrag. Insbesondere gilt dies, wenn während 30 Stunden nicht einmal jemand einen unserer Posten inspizieren kommt.
Bei der anschliessenden Besprechung mit dem Kompaniekommandanten gibt es keinerlei Kritikpunkte. Der Kompaniekommandant lässt sogar durchblicken, dass er mit uns zufrieden ist und dass wir als Kompanie besser abgeschnitten hätte als die anderen Kompanien. Was auch immer das heissen mag. Wirklich viel geleistet haben wir ja nicht.

Nach dem Nachtessen bereiten wir noch die Abgabe des Korpsmaterials, d.h. unsere persönliche Ausrüstung die von der Armee ausgeliehen wurde, vor. Gemäss Liste packen wir unseren Rucksack, den Regenschutz, unser Zelt und viele weitere Dinge zusammen, so dass wir morgen nur noch abgeben müssen. Morgen findet AVOR (Arbeitsvorbereitung) für die WEMA (Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft im Militärischen Ausbildungsdienst) sowie die Standartenübergabe in Appenzell statt. Es geht also in grossen Schritten dem Ende des WKs zu. Unser einziger Gefreiter hatte heute seinen letzten Diensttag. Nach dem Nachtessen, gibt dieser sein Material vorzeitig ab und verschwindet aus dem militärischen Dienst...für immer. Glückspilz.

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