Tag 17: Abschlussübung - Tag 2 - Teil 1

Verschlafen

Um 05:40 Uhr wache ich auf und realisiere, dass ich zu spät bin für meine erste Schicht. Ich hasse es, wenn jemand mich zu spät ablöst und nerve mich deswegen, dass ich verschlafen habe. Die Regel ist allerdings, dass diejenigen auf der Wache, den Weck-dienst übernehmen und dafür schauen, dass der nächste rechtzeitig auf dem Posten steht. So ist garantiert, dass auch bei kurzfristigen Änderungen über Nacht schnell reagiert werden kann. Ich wurde nicht geweckt und habe deshalb nur kurz ein schlechtes Gewissen, keinen Wecker gestellt zu haben. Nach dem Aufstehen übernehme ich für eine halbe Stunde die Funkwache und die Beobachtung der Strasse. Nach nur einer halben Stunde löst mich jemand fürs Frühstück ab und wir verlagern unseren Wachtposten auf ein Fahrzeug. Daraus lässt sich wiederum interpretieren, dass wir unser Lager hier bald einmal abbrechen und weiterziehen werden, also Schlafsack einrollen und aufräumen. Dann sitze ich mit Marmeladenbrot und etwas Orangensaft auf dem Fahrzeug und höre den Funk ab.

Bald schon kommt der Befehl vom Kompaniekommandanten, dass alle Einheiten um 06:45 Uhr abfahrbereit sein müssen. Um 06:47 Uhr sind wir bereit und ich melde das „Pronto“, also unsere Bereitschaft, zu unserem Kommandanten. Dann passiert erst mal eine Weile nichts.
"Dann passiert erst mal eine Weile nichts."

Warten, warten, warten...

Eine Stunde später, die gesamte Besatzung auf unserem Fahrzeug ist wieder eingeschlafen, kommt unser Offizier vorbei und weist uns darauf hin, dass der Landwirt uns Kaffee serviert. Wir sollen doch vom Wagen treten und das Angebot annehmen. Imagepflege, sozusagen. Nach 08:30 Uhr fahren wir dann endlich weiter zu unserem nächsten Posten. Diesmal ein klassischer Patrouillenposten (d.h. Nur zwei Fahrzeuge, nicht derer fünf). Wieder tun wir, was wir gestern den ganzen Tag gemacht haben: Nahsicherung aufziehen, Wachpläne ausarbeiten, beobachten und Funkverbindungen erstellen und verbessern. Aus lauter Langeweile (vermutlich...hoffentlich?) greift der erste Soldat bereits um 10 Uhr zum ersten Bier.

Und Action...oder doch nicht

Um etwa 12:30 Uhr erhalten wir dann von unserem Zugführer den Auftrag, einen Teil der Patrouille (d.h. Ein Fahrzeug mit
"Nichts passiert und wir schlafen abwechslungsweise auf dem Beobachtungsposten ein."
drei Mann Besatzung) an einen anderen Verkehrsknotenpunkt zu verschieben und dort einen Kreisel zu beobachten. Ich werde als Fahrer dieses Fahrzeugs auserkoren. Zu dritt beobachten wir für weitere vier Stunden einen Kreisel. Nichts passiert und wir schlafen abwechslungsweise auf dem Beobachtungsposten ein. Um 15:15 Uhr endet die wohl langweiligste und wohl auch unangenehmste (weil schier unendlich viele Stellungswechsel) Übung der Schweizer Armee.

Ich lasse das ganze nochmals Revue passieren: Wenn man bedenkt, dass insgesamt sechs Stellungswechsel innerhalb von weniger als 28 Stunden durchgeführt wurden, beträgt die durchschnittliche Zeit pro Stellung etwa 4.5 Stunden. Inklusive Fahrten, Schlafenszeit, holen von Verpflegung und Wartezeiten. Schon in der Theorie bleibt nicht viel mehr übrig als ein paar Funksprüche die zwischen den Stellungswechseln gemacht werden können. Nicht nur ich, sondern auch meine Kameraden sind frustriert und begreifen nicht, was mit dieser Übung genau geübt werden sollte.

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