Tag 16: Abschlussübung - Tag 1 - Teil 2

Abschlussübung: Es geht los

Um 12:30 erhalten wir endlich unsere Befehle. Pikant: Der Auftrag entspricht exakt dem, den wir letzten Freitag bereits vorgeübt hatten: Bis zur Autobahnausfahrt 77 fahren, dort bis zur Brücke Spähaufklärung betreiben und der Kompanie zurückmelden, ob die Brücke feindfrei und passierbar ist. Eine halbe Stunde später sitzen wir also in exakt der gleichen Stellung wie letzten Freitag und warten darauf, dass die Kompanie an uns vorbeizieht.
"Eine halbe Stunde später sitzen wir also in exakt der gleichen Stellung wie letzten Freitag und warten darauf, dass die Kompanie an uns vorbeizieht."


Wie bereits erwähnt, ich erachte militärischen Drill in gewissen Fällen als notwendig. Aber die gleiche, langweilige Übung, mit gefühlten acht Stunden „Wartezeit“ nochmals zu wiederholen (einfach noch langsamer) kann für keinen Soldaten motivierend sein. Die Motivation ist nicht nur bei mir am Tiefpunkt angelangt, der ganze Zug sieht den Sinn dieser Übung nicht mehr ein.

Nachdem die letzten Fahrzeuge durchgefahren sind, werden wir wieder ausgelöst um unseren Bereitschaftsraum zu beziehen. Wir befinden uns noch im Aufbau (noch nicht mal alle Funkverbindungen funktionieren), als bereits der nächste Befehl zur Erkundung der nächsten Nachrichtenbeschaffungsräume durchkommt. Zum Glück haben wir noch alle Skizzen und Pläne vom Freitag, die können wir so nur übernehmen.

Beobachtungsposten suchen

Der Chili-Johny hat sich mittlerweile in ein unangenehmes Magen-brennen zersetzt. Trotzdem gehen wir weiter und versuchen noch bessere Beobachtungsposten in einem Dorf zu identifizieren und dokumentieren. Zeit dafür: Eine Stunde, denn die Präsentation vor dem Bataillonskommandanten ist in drei Stunden. Der Weg entspricht einer Stunde, die Übungspräsentation mit dem Kompaniekommandant entspricht einer Stunde. Bei der Wahl der Beobachtungsposten haben viele Faktoren einen Einfluss: In einem Dorf mit 200-300 Häusern innerhalb von einer Stunde die beste Wahl für einen solchen Beobachtungsposten zu treffen, ist schlicht und einfach lächerlich. Natürlich hatten wir am Freitag nur wenig mehr Zeit, entsprechend erwartet das Kader gleiche Resultate. Wir nehmen also die Resultate von letztem Freitag, kopieren alles und schauen uns zusätzlich noch eine weitere Möglichkeit an.

Abendliches Chaos

Um kurz vor 17 Uhr wird unser Zugführer für die Präsentation abkommandiert und wir fangen an, einen Zuggefechtsstand einzurichten. Nach gerade mal 30 Minuten fahren und 30 Minuten aufbauen, kriege ich einen neuen Befehl. Ich soll das Essen fassen. Niemand findet es wirklich lustig, dass wir um das Essen zu holen den genau gleichen Weg zurückfahren, den wir vorhin hingefahren sind. Wir fassen das Essen und müssen dann 40 Minuten warten: Irgendjemand muss ja unseren Zugführer wieder zurückbringen, und da wir sowieso schon hier sind, warten wir halt. Sobald der Zugführer von der erneuten Befehlsausgabe (19:45-20:15 Uhr) zurück ist, gibt er per Funk dem Rest der Einheit neue Befehle durch. Ein anderer Beobachtungsposten soll bezogen werden. Dies selbstverständlich in der Umgebung, in der wir (also Zugführer und ich) uns jetzt befinden, der Rest des Zugs allerdings wieder zurückfahren muss.

Natürlich sind wir die ersten die den neuen Posten beziehen. Wir installieren erste Infrastruktur und warten auf den Rest des Zugs. Als die anderen vier Fahrzeuge auftauchen, tarnen wir alle Fahrzeuge und essen das inzwischen kalt gewordene Abendessen. Fahrer, darunter auch ich,
"Als ob sich Soldaten davon, nach einem Tag wie heute, motivieren lassen."
brauchen Ihre obligatorischen sechs Stunden Schlaf und dürfen deshalb bereits relativ früh schlafen gehen. Im Stall stinkt es nach Schweinemist, es ist dreckig und alle sind schlecht gelaunt, denn die Unterkunft hier ist viel unbequemer als die Baumschule, in der wir vorher stationiert waren. Dafür, so unser Offizier, haben wir besseren Einblick auf eine der Strassen in Stossrichtung des Gegners. Als ob sich Soldaten davon, nach einem Tag wie heute, motivieren lassen. Die ganze Nacht wird diese Strasse beobachtet und insgesamt eine feindliche und eine eigene Truppe gemeldet. Ich selbst gehe um 23:15 Uhr schlafen, da meine erste Beobachtungsschicht um 05:30 Uhr am nächsten Tag geplant ist.

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