Tag 16: Abschlussübung - Tag 1 - Teil 1

Warten..

Die letzte Woche des WKs beginnt wie gewohnt, um 06:00 Uhr. Frühstück, anschliessend auf Befehl des Zugführers direkt zu den Fahrzeugen um nach dem Antrittsverlesen, welches wir entsprechend sausen lassen, die Fahrzeuge neu parkieren zu können.

Ein weiteres Mal führen wir die sogenannte Phase 0, das heisst die Marschbereitschaft erstellen, durch. Wieder müssen wir das Material aus den Fahrzeugen auslegen, wieder müssen wir eine Verbindungskontrolle mit der Kompanie, dem Zug und dem Bataillon durchführen. Die Verbindungen mit Kompanie und Zug sind bereits um 08:15 Uhr kontrolliert und abgeschlossen. Die Funkeinstellungen sind selbstverständlich nicht mehr gelöscht worden und wir würden deswegen eigentlich keine Zeit mehr brauchen, um den Funk betriebsbereit zu machen. Wir warten also auf die Verbindungskontrolle auf Stufe Bataillon. Das Bataillon besteht aus 3 Kompanien, zusammen also mehr als 500 Soldaten. Pro Minute die wir also warten, vernichten wir also zusammen ungefähr 500 Arbeitsminuten oder einen ganzen Arbeitstag (!). Um 08:45 Uhr geht es los und 15 Minuten später ist die Verbindungskontrolle schon wieder vorbei. Ich war notabene nicht Funker und musste dementsprechend nichts tun, ausser einem kurzen Meldelauf.

Warten...und Absprachen

Um 10:30, nach weiteren 90 Minuten Wartezeit, werden wir informiert, dass es frühestens in einer Stunde weitergehen würde. Ich höre auf, mein Buch zu lesen (diesen Morgen bereits 100 Seiten..) und lege mich noch mal für eine knappe Stunde ins Bett in der Kaserne. Im Moment warten immer noch etwa 500 Soldaten auf einen Auftrag, die vergeudete Arbeitsleistung mag man sich gar nicht ausrechnen. Um 11:30 stehen wir wieder bei den Fahrzeugen. Es passiert noch nichts. Einzige Beobachtung: Die Zugführer brüten über einer Landkarte und scheinen, gemäss Diskussion, die Routen der Markeure für die folgende Übung bereits gut zu kennen. „Dann nimmst Du diese Stellung und ich vernichte den ersten Markeur hier. Dann nehme ich diese Stellung ein, beobachte die Lage und melde dir, sobald der zweite Markeur durchkommt und Du die Stellung wieder wechseln musst.“ So sprechen die Offiziere miteinander. Ein typisches Problem bei diesen Übungen: Alles was zählt ist der Eindruck und das Feedback der nächsten Hierarchiestufe.
"Ein typisches Problem bei diesen Übungen: Alles was zählt ist der Eindruck und das Feedback der nächsten Hierarchiestufe."
So stehen am Ende nicht nur Soldaten, Zug- und Kompanieführer gut da, sondern auch die Bataillonskommandanten sind zufrieden. Das funktioniert auf vielen Stufen wie folgt: Wenn der Kompaniekommandant einen Trupp inspizieren will, informiert der Fahrer des Kommandanten per SMS den entsprechenden Trupp. Denn schliesslich wurde der Fahrer des Kommandanten von seinem Trupp entrissen um den Chauffeur zu spielen. So wird ausschliesslich beübt, wer auch genauer beobachtet und inspiziert wird. Solange jemand im Trupp sehr gut vernetzt ist, gibt es also nur sehr wenige Gründe, sich anzustrengen. Es reicht, auf die Details zu achten, sobald die Info einer Inspektion zum Trupp gelangen. Krieg in Friedenszeiten...

Mittagessen-chilijohny

Um kurz vor 12:00 Uhr, werden wir befohlen, die Verpflegung zu uns zu nehmen. Es gibt „Chilli-Jonny“, also Chilli-Con-Carne Eintopf aus den Reserven der Armee. Über 20 Jahre alte Konserven. Wir müssen also unseren Notkocher verwenden, um den Frass aufzuwärmen.
"Es gibt „Chilli-Jonny“... wir müssen also unseren Notkocher verwenden, um den Frass aufzuwärmen."
Kaum sind unsere Büchsen warm, kommt dann der nächste Befehl: Wir sollen auf die Fahrzeuge aufsitzen und uns bereithalten. Wir weigern uns, schliesslich mussten wir den ganzen morgen warten und brauchen noch ein paar Minuten, um unser Essen zu vertilgen. Es ist jedem klar, dass wir auf die Fahrzeuge aufsitzen sollen und dann nochmals eine halbe Stunde warten müssen. Warum also nicht vor dem Fahrzeug essen und sobald der Befehl kommt innerhalb von zwei Minuten abfahrbereit sein? Einige Offiziere verlieren die Geduld, können allerdings nicht viel machen, den 50 Soldaten bleiben einfach vor den Fahrzeugen sitzen und essen Ihren Jonny. Tatsächlich kommt dann der Befehl erst, nachdem alle fertig gegessen haben und bereits wieder alles aufgeräumt ist.

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