Tag 13: Erste Übung mit dem Bataillon

Übung beginnt!

Erster Übungstag mit dem Bataillon. Wir dürfen deswegen eine halbe Stunde früher aufstehen als sonst, damit wir einen besonders guten Eindruck hinterlassen können. Frühstücken und Antrittsverlesen. Anschliessend gibt es eine kurze Vorbesprechung mit unserem Kompaniekommandanten. Fünf Minuten nachdem er uns entlässt und wir uns an die Vorbereitungsarbeiten für die Übung machen, müssen wir wieder antraben um das gleiche Szenario nochmals vom Bataillonskommandanten zu hören. Gerissen, wenn jetzt einer denkt, der Bataillonskommandant war während der ersten Besprechung nicht anwesend. Leider falsch! Der hat das alles schön beobachtet und beurteilt. Meiner Ansicht nach eine reine Machtdemonstration bei der wir Soldaten Zinnfiguren mimen, die hin und her bewegt werden.
"... eine reine Machtdemonstration bei der wir Soldaten Zinnfiguren mimen, die hin und her bewegt werden."

Materialkontrolle..noch und nöcher

Nach dem Zirkus ist vor dem Zirkus: Wir werden ein zweites Mal entlassen und führen ein weiteres Mal eine Materialkontrolle auf den Fahrzeugen durch. Diesmal, mit ausführlicher Bereitstellung um den Bataillonskommandanten und sein Kader zu beeindrucken. Nicht das wir darin keine Übung hätten... Nach einiger Frustration, unter anderem weil unsere Unteroffiziere schlechte Laune haben, schliessen wir auch diese Beübung erfolgreich ab. Die schlechte Laune kommt übrigens daher, dass gestern Nacht zwei Soldaten unter Drogeneinfluss von der Militärpolizei aufgegriffen wurden. Das hat natürlich disziplinarische Verfahren zur Folge und stimmt unseren Chef, den Kompaniekommandanten, diesen Morgen auch nicht gerade freundlich. Die schlechte Laune propagiert dann durch die gesamte Truppe, bis Sie unten beim Soldaten ankommt und das Propagieren ein Ende hat.

Übung beginnt

In der nächsten Phase, dem Beziehen eines Bereitschaftsraums, hat unser Zug die Aufgabe, festzustellen ob eine Brücke passierbar ist und nicht durch den Feind überwacht wird. Da die gesamte Kompanie auf unsere Erkundungen warten muss, müssen wir uns beeilen. Schade, dass eines unserer Fahrzeuge wegen technischen Mängeln just in diesem Moment nur noch 60 km/h Maximalgeschwindigkeit hat. Ob hier jemand die Wartung jeweils nicht ganz so ernst genommen hat?

Wir erkunden die Brücke (mit einem gepanzerten Fahrzeug bei ca. 120 dB versuchen wir das so leise wie möglich zu tun) und finden, dass das Gebiet feindfrei ist. Rückmeldung an die Kompanie, und damit beginnt die Wartezeit für uns. Selbstverständlich wäre der Sinn der Sache, die Brücke im Auge zu behalten und allfällige Veränderungen zu melden. Wir warten allerdings anderthalb Stunden, bis auch die letzten Fahrzeuge der Kompanie die Brücke passiert haben und wir dann endlich nachziehen dürfen. Ein Schelm, wer denkt, wir hätten geschlafen während dieser Zeit.

Ein Bereitschaftsraum ist im Wesentlichen eine Kaserne auf unbestimmte Zeit: Ein sicherer Hafen, wo sich die Kompanie sammelt, retabliert und orientiert. Das kann eine grosse Fabrikhalle oder einzelne Gebäude verteilt über ein ganzes Dorf sein. Um ca. 11 Uhr treffen wir in einem Bauernhof ein und ziehen das gesamte Dispositiv hoch. Dies beinhaltet: Natürlich tun wir all dies, im Wissen, dass wir heute Nachmittag wieder zurück in die Kaserne fahren. Deswegen arbeiten wir viel mit Schein, weniger mit Sein. Generell versuchen natürlich praktisch alle Einheiten, Stellungen zu finden wo ein Teil der Infrastruktur (z.B. Eine Toilette) schon vorhanden ist. Das bedeutet weniger Arbeit...
"Natürlich tun wir all dies, im Wissen, dass wir heute Nachmittag wieder zurück in die Kaserne fahren."


Um 14.00 Uhr, nachdem wir gegessen haben und so etwas wie Ruhe einkehrt (Achtung Ironie, es war den ganzen morgen ruhig), erhalten wir einen neuen Auftrag: Erkundung neuer Beobachtungsposten in einem Nachrichtenbeschaffungsraum etwa 10 km von uns. Die Resultate sollen bereits um 16.00 präsentiert werden. Wir nutzen die guten Kontakte zum zweiten Aufklärerzug, welcher den gleichen Auftrag bereits gestern ausgeführt hat. Wir zeichnen/aktualisieren nur die Ansichtspläne und fahren kurz bei den jeweiligen Stellungen vorbei um einen Eindruck zu gewinnen. Am späten Nachmittag werden wir diese Resultate als unsere eigenen verkaufen. Für viel mehr bleibt tatsächlich auch keine Zeit: Aufräumen des Bereitschaftsraumes, 10 km Fahrt zum Nachrichtenbeschaffungsraum, Erkunden der Höfe und zurückfahren um die Stellungen zu präsentieren. Zeitmanagement für unsere Führungsetage wäre vermutlich einmal eine gute Investition. Der zweite Aufklärerzug wird es bei der nächsten Gelegenheit genau gleich machen und unsere Resultate als eigene verkaufen.

Übung Halt!

Um 15:40 Uhr halten wir uns nicht weit vom Standort der Präsentation auf, um auf unsere Auslösung zu warten. Das unsere Patrouille bereits seit 40 Minuten auf dieser Lichtung ist, sei auch noch erwähnt, denn jemand muss die Pläne ja kopieren. Um 16:15 werden wir aktiviert, müssen dann allerdings nochmals eine Weile warten und verstecken uns dafür nochmals in einem (noch näher gelegenen) Wald. Die Übung hat inzwischen jegliche Glaubwürdigkeit verloren und endet für uns in diesem Wäldchen.

Übungsbesprechung und Wochenrückblick

Um 17:30 Uhr sind wir zurück in der Kaserne, wo wir eine kurze Übungsbesprechung mit dem Bataillonskommandanten haben. Die Kritik für Soldaten und Truppe fällt sehr gut aus (Kein Scherz, das haben wir gut gemacht... Keine Fehler macht bekanntlich nur, wer gar nichts macht). Für Unteroffiziere und Offiziere geht die Besprechung natürlich ein wenig länger, und wir Soldaten dürfen nicht zuhören. Wir tanken also unsere Fahrzeuge auf, essen und haben dann noch einen Wochenrückblick mit unserem Kompaniekommandanten. Anschliessend haben wir knapp zwei Stunden Zeit um ein wenig Fussball zu spielen, zu duschen und ab ins Bett. Ich bin bereit für den Wochenend-Urlaub.

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