Tag 12: Repräsentationsaufgaben und Hamburgertaufe - Teil 2

Zugsabend und Hamburgertaufe

Nach dem kleinen Unfall, bleibt uns nicht viel mehr Zeit übrig, als zurück zur Kaserne zu fahren, die Autos kurz zu reinigen (man nennt das einmal mehr TPD-Tagesparkdienst) und anschliessend den Zugsabend mit der ominösen „Hamburgertaufe“ durchzuführen. Der Grund, warum wir das heute tun dürfen ist simpel: Wir durften gestern nicht zur Kompaniefeier, sondern mussten Wache schieben. Deswegen dürfen wir heute, im etwas kleineren Rahmen, eine Zeremonie für die Frischlinge in der Einheit veranstalten.
"Deswegen dürfen wir heute, im etwas kleineren Rahmen, eine Zeremonie für die Frischlinge in der Einheit veranstalten."


Für den Zugsabend werden wir zu einer kleinen Feuerstelle oberhalb von St. Gallen gefahren. Unterhalb des Hügels, werden Hamburger und ihre Göttis (d.h. Ihre Paten, welche die Aufgabe haben, die Hamburger unbeschadet durch ihre Taufe zu begleiten) ausgeladen. Die Frischlinge müssen dort den ABC Vollschutz installieren (d.h. Hermetisch abgeschlossen, mit Gasmaske) und nach oben laufen. Es ist, trotz später Stunde (19:30 Uhr) sehr heiss. Wir andern nehmen den Rest des Materials mit nach oben und treffen dort auf die Vorbereitungstruppe, welche bereits eine Drillpiste für die Hamburger aufgebaut hat.

Oben angekommen, müssen die Hamburger den ABC Vollschutz ausziehen, verstauen und eine Splitterschutzweste anziehen (Notabene 12kg Eigengewicht). Damit müssen sie nun Brennholz sammeln. Unglücklicherweise drückt jemand den Hamburgern eine Axt in die Hand. Bereits völlig ausgelaugt,
"Immer wieder treffen Wanderer und Velofahrer ein und schauen uns ein wenig zu."
fällen die Hamburger drei junge Tannen, bevor Ihnen jemand sagt, dass frisches Holz nicht verbrannt werden kann (und dass das Fällen von jungen Bäumen verboten ist). Nicht nur ich schäme mich...für die schlechte Vorbereitung und das Verhalten unserer Truppe. Zusätzlich ist die Feuerstelle an einem öffentlichen Ort: Immer wieder treffen Wanderer und Velofahrer ein und schauen uns ein wenig zu.

Die Hamburger müssen ausserdem:
  1. Im eigenen Schlafsack durch eine Drillpiste „rollen“ und „raupen“: In Verbindung mit der Spähaufklärung die wir nur einige Stunden vorher mit unseren Fahrzeugen geübt haben. Die Drillpiste wird selbstverständlich bewässert, damit die Schlafsäcke auch ordentlich dreckig, und damit unangenehm für die nächste Übernachtung im Freien, werden.
  2. Einen „Verwundeten“ versorgen und mit Ihm auf der Sanitätsbarre die Drillpiste absolvieren.
  3. Mit einem rohen Ei im Mund durch die Drillpiste robben. Wenn das Ei kaputt geht, muss der Hamburger von vorne anfangen..mit einem neuen Ei.
Anschliessend wird getauft (mit einem Bier, dem ersten das heute Abend getrunken wird). Das rohe Ei muss natürlich nach der Taufe (und trotz erfolgreichem absolvieren der Drillpiste), gegessen werden. Mit Schale.

Ich persönlich nehme an der Taufe als passiver Zuschauer teil. Nicht dass mich das aus der Verantwortung nimmt (dabei sein heisst eine Mitschuld zu tragen), aber ich fand das Militär schon immer am abstossendsten, wenn es um die pure Qual des Drills ging. Selbstverständlich gehören Drills zum Training, ob das allerdings zur Belustigung vieler und Erniedrigung weniger dienen soll, darüber lässt sich wohl diskutieren. Das gilt insbesondere für öffentliche Plätze, wo gerade einmal drei Soldaten den Drill durchlaufen und ein Dutzend anderer sich daran belustigen. Passanten beobachten die Situation und verstehen vermutlich den Sinn des Rituals nur, wenn Sie selbst auch einmal im WK waren. Anschliessend zur Taufe wird grilliert, dazu gibt es Salat. Unsere Hamburger müssen nur noch einige wenige Regeln beachten:
  1. Andere Soldaten müssen mit Vornamen angesprochen werden (nicht so einfach wie es sich anhört, da in der Regel nur der Nachname verwendet wird)
  2. Bier wird mit der schwachen Hand getrunken (um mit der starken Hand den Säbel, die Waffe des Schutzpatrons der Aufklärer, ziehen zu können).
  3. Für ein neues Bier, muss eine korrekt ausgefüllte Reparaturetikette dem Taufpaten übergeben werden.
Das nicht-Befolgen dieser Regeln hat kleine Strafen zur Folge. z.B. Liegestützen mit Kopf im Wassertopf, Liegestützen bei welchen M&M's aus Mehl gefischt werden müssen oder das Essen einer rohen Chilli.

Weil am Schluss noch Chilli-schoten übrig sind, wird in der Gruppe entschieden, dass jeder Soldat eine Schote essen muss. Das brennt nicht nur einmal und soll angeblich den Gruppenzusammenhalt stärken.

Um etwa 23 Uhr beginnen wir aufzuräumen, bringen alles Material zurück zu unserem Transporter und fahren zurück zur Kaserne. Zeit zum Schlafen.

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