Tag 12: Repräsentationsaufgaben und Hamburgertaufe - Teil 1

Repräsentationsaufgaben

Aufstehen (in der Arrestzelle). Auch wenn meine Tür die ganze Nacht nicht abgeschlossen war, weiss ich nun warum ich das nie erleben muss. Frühstücken und anschliessend mein persönliches Material zurück in die Kaserne bringen. Dort reicht die Zeit, um kurz unter die Dusche zu stehen bevor wir uns für unseren heutigen Spezialauftrag bereitmachen: Die Regierungsmitglieder unseres Götti-Kantons (ja, richtig, jedes Batallion hat einen Heimat-kanton, bei uns ist das Appenzell Ausserhoden) kommen das Batallion besuchen. Unsere Einheit wurde ausgewählt, die Parlamentarier zwischen unterschiedlichen Posten, wo sie unsere Fähigkeiten demonstriert bekommen, hin und her zu fahren.

Nach dem Antrittsverlesen machen wir also nochmals die Autos sauber. Man erinnere sich an den sogenannten TPD nach der letzten Fahrt. Aber was tut man nicht alles, um auch wirklich einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wir fahren dann Teile der Strecke als Vorbereitung (sogenannte Rekognition) ab. Um 9:00 Uhr stehen wir auf dem Platz wo die Regierungsmitglieder uns um halb 10 treffen sollen. Wir kriegen also 20 Minuten Pause und essen einen Nussgipfel in der Bäckerei nebenan. Wertvolle zivile Minuten in Anbetracht dessen, dass Ausgang und nicht-militärische Aktivitäten tatsächlich rar sind in diesem WK.

Kantonsräte chauffieren

Um 9:30 stehen wir bereit. Um 10:00 immer noch: Der erste Posten hatte schon mal eine halbe Stunde Verspätung. Notabene sind das Hauptmänner, welche unseren Besuch empfangen haben und damit im Prinzip schon das ganze Tagesprogramm auf den Kopf gestellt haben. Item, wir nehmen zwei Herren in unser Fahrzeug auf, erklären wie sie die interne Kommunikationsanlage benutzen müssen um mit uns zu sprechen. Dann geht es los, die
"Insgesamt wurden also 10 Mann für einen ganzen morgen abkommandiert um Parlamentarier herumzufahren."
Fahrt dauert etwa 15 Minuten. Ich überlasse das Reden meinem Begleiter und konzentriere mich hauptsächlich aufs Fahren. Beim nächsten Posten warten wir etwa 20 Minuten, um anschliessend wieder 5 Minuten Chauffeur zu spielen. Die letzte Runde dauert dann etwas länger, und wir dürfen nochmals 15 Minuten Taxi spielen. Insgesamt wurden also 10 Mann für einen ganzen morgen abkommandiert um Parlamentarier herumzufahren.

Die beiden Herren in unserem Fahrzeug machten auch keinen besonders interessierten Eindruck und stellen auch nur kleine Fragen, ich vermute aus Höflichkeit uns gegenüber: „Was ist die absolute Höchstgeschwindigkeit?“ Ich antworte mit den gesetzlich limitierten 80 km/h, weiss aber ganz genau, dass wir auch 100 km/h fahren können, wenn es denn nötig sein sollte.

Markeur – Feind darstellen

Zum Mittagessen, nachdem wir den hohen Besuch abgeliefert haben, treffen wir uns mit dem Rest des Zugs und verzehren unseren Lunch (ein Landjäger und zwei Scheiben Brot). Anschliessend üben wir die mobile Aufklärung (sogenannte Spähaufklärung) mit jeweils zwei Fahrzeugen einer Patrouille. Ich werde als Markeur auserkoren und werde befohlen, meinen Puch (das heisst ein kleiner militärischer Personenwagen) an zwei Koordinaten hinzustellen und zu warten bis man mich entdeckt hätte. Ich werfe ein, dass ich die Gegend überhaupt nicht kenne und dass ich dafür eine Strassenkarte brauche. Ich kriege die Erlaubnis, eine Karte mitzunehmen. Ein kleines Funkgerät von einem der Fahrzeuge nehme ich mit, ohne zu fragen. Wie sonst sollte ich wissen, wann ich entdeckt worden bin und dass ich jetzt weiterfahren soll, wenn ich den Funk nicht abhören kann?

Ich fahre los, stelle mich an eine Ecke (leicht getarnt) und warte bis jemand mein Fahrzeug über Funk meldet. Das klappt vielleicht 2 von insgesamt 4 Mal. Die Hälfte der Zeit bleibe ich also unentdeckt, obwohl ich an der richtigen Stelle stehe und die Route der jeweiligen Patrouillen kenne. Einzige Erklärung: Die Patrouillen haben sich verfahren. Das ist nichts Neues, und auch wenig aussergewöhnlich. Ich erwarte eine Besprechung der Übung als wir uns kurz nach 16:30 Uhr wieder alle treffen, und werde überrascht..

Die Armee – Dein Freund und Helfer

Während wir auf die Übungsbesprechung warten, sehen wir wie eine Fahrradfahrerin mit einem E-Bike stürzt. Sie blutet an Kopf und Knie und ist definitiv nicht mehr in der Lage, nach Hause zu fahren. Wir haben keine Fahrzeuge dabei, mit welchen sich die Fahrräder von der Verunfallten und Ihrem Begleiter transportieren lassen, und fordern deswegen in der Kaserne ein entsprechendes Fahrzeug an. Wir bieten auch an, die Frau ins Spital zu fahren, das will sie allerdings nicht. Sobald unser angeforderter Truppentransporter ankommt und es der Frau ein wenig besser geht, haben wir alle das Gefühl heute wenigstens etwas Sinnvolles gemacht zu haben.

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