Tag 11: Wache

Wachübernahme

Tagwache wie gehabt um 05:45 Uhr. Frühstück genau so. Anstelle des Antrittverlesens packen wir unseren Schlafsack und verschieben zum Wachlokal. Für die nächsten 24 Stunden ist unser Zug zuständig für die Sicherung der Kaserne.

Mein Einsatz beginnt direkt für zwei Stunden als Reserve-element. Das heisst, ich muss innerhalb von wenigen Minuten vollständig ausgerüstet am Eingangstor stehen. Als Reserve dürfen wir uns deswegen nur im Aufenthaltsraum aufhalten. Anschliessend zwei Stunden Betreiben des Wachlokals: D.h. Verwalten der Schlüssel für den Fahrzeugpark, notieren der Autos und Personen, welche die Kaserne betreten und verlassen und gelegentlich eine Kontrolle der Funkverbindung mit den Aussenposten durchführen. Kein Problem, aber langweilig. Von 12 Uhr bis 14 Uhr muss ich zusammen mit einem zweiten Soldaten den Fahrzeugpark bewachen. Dort ist es heiss und es gibt kaum Schatten. Die 12 kg schwere Splitterschutzweste die wir tragen müssen, macht es auch nicht besser, aber da müssen wir durch. Zum Essen gibt es um 12 Uhr ein kleines Sandwich und etwas zu trinken. Die Zeit verstreicht langsam, und obwohl ich den Sinn der Wache einsehe, hält sich meine Begeisterung in Grenzen.

Zur Ausrüstung: Wir haben die Gewehre unterladen (d.h. ungeladen aber mit vollem Magazin) und ein Reizstoffsprühgerät (RSP) auf Mann.

Bier und Pause

Das Highlight der Wache: Zwei Bierlieferanten für das an die Kaserne angeschlossene Restaurant bringen uns ein Six-pack Bier als sie uns
"Alkohol während der Wache bedeutet Gefängnis, das riskieren wir nicht."
in der prallen Sonne stehen sehen. Wir nehmen dankend an, verstecken das Bier allerdings sofort unauffällig um es zu einem späteren Zeitpunkt zu uns zu nehmen. Alkohol während der Wache bedeutet Gefängnis, das riskieren wir nicht.

Zwischen 14 und 18 Uhr besagt mein Wachplan „verordnete Ruhepause“. Ich schlafe also ein wenig, lese, schreibe an diesem Tagebuch und schaue DVDs auf den Laptops einiger Kameraden.

Zweite Schicht

Ab 18:00 Uhr geht der Wachtdienst für mich weiter. Ich bin im Patroullienelement eingeteilt, dieses muss allerdings nur einmal pro Stunde eine kurze Runde mit Splitterschutzweste und Gewehr drehen. Um 19:00 warten wir immer noch aufs Abendessen, welches eine halbe Stunde früher geplant war. Später finden wir, dass die Küchenmanschaft sich bereits aus dem Staub gemacht hat, und uns unser Essen heute nicht bringt. Die ganze Kompanie hat die Kaserne für den Kompanieabend (d.h. die Hamburgertaufe) verlassen und diese Gelegenheit lässt die Küche nicht aus, um auch etwas zivile Luft schnuppern zu können. Es ist schwierig, böse auf die Küche zu sein, denn die schaut relativ gut zu uns: Immer genügend zu Essen und essbar ist es auch. Das war in frühereh WKs auch schon anders.

Kurz vor 20:00 Uhr muss ich nochmals eine Ronde (d.h. Eine Runde in der Patroullie) drehen, weil die Militärpolizei auftaucht und unsere Wache kontrolliert. Dies ist einmal pro WK obligatorisch, natürlich trifft es heute uns. Für einmal werden allerdings nicht die wortwörtlichen Wachbefehle abgefragt, sondern grundsätzlich auf Ordnung und Vorgehen kontrolliert. Kein Problem, wir scheinen einen guten Eindruck zu machen.

Um 22:00 Uhr übernehme ich meine letzte Wache vor dem Kasernentor. In Splitterschutzweste und mit Gewehr beobachte ich, wie die gesamte Kompanie von der Hamburgertaufe zurückkehrt. Ich spreche mit einigen und frage, ob wir etwas verpasst hätten. „Gäng wie gäng“ ist die generelle Antwort, wir haben also nichts Spezielles verpasst.

Im Anschluss an meine zweite Schicht, um 24:00 Uhr, habe ich wieder Ruhezeit. Wir dürfen uns in die Arrestzellen des Wachlokals legen: Der Wachoffizier ist einverstanden, dass Fahrer nicht permanent durch wechselnde Wachsoldaten aufgeweckt werden sollten. Das würde das Konzept von sechs Stunden Ruhezeit für Fahrzeugführer etwas untergraben.

Vorherige Seite Zum Inhaltsverzeichnis Nächste Seite


Nützliches
Zur Datenerfassung
Zur Diskussion
Chilijohny, der
Glossar
Sitemap


Social Media