Tag 1: Fahrerrepetitorium - Teil 1

Ich rücke also ein. Zum insgesamt sechsten mal seit der Rekrutenschule bin ich in Uniform unterwegs und damit "grün". Und irgenwie gehts mir auch so..

Anreise und "Einchecken"

Um 9.00 Uhr stehe ich, wartend auf die Bahn, am Bahnperron. Öffentliche Plätze in Uniform: Einige wenige Passanten bringen ihren Unmut gegenüber der Schweizer Armee zur Kenntnis, einer beschimpft mich mit "Scheiss Militär". Ich ignoriere den jungen Herren und frage mich, ob Ihm bewusst ist, wie unfreiwillig die ganze Geschichte für mich eigentlich ist. Kurz darauf betrete ich den Zug und damit eine komplett andere Welt. Geschätzte 80% der Passagiere sind Angehörige der Armee (ADAs). Alte Bekannte begrüssen sich. Ich kenne niemanden und setze mich demonstrativ zu Zivil-Reisenden: Genügend grün in Aussicht für die nächsten Wochen und meinerseits kein sonderliches Interesse, möglichst schnell damit anzufangen. Mein Gepäck ist immer im Blick.

Etwa um 9.30 Uhr treffe ich am Zielbahnhof ein, natürlich mit dem Rest der ADAs aus der Bahn. Ein paar Busse wurden organisiert um uns ins Armee-Logistik-Zentrum (ALZ) zu chauffieren. Kurz darauf beginnt das lange Warten. Wir sollen unsere Führerausweise und Identitätskarten vorweisen, und dafür einen Sicherheitsbatch in Empfang nehmen. Langsam versuche ich, meine eigene Kompanie zu finden. Nur wo sind die? Wer sind die? Ich kenne nur noch wenige, denn mein letzter WK ist 4 lange Jahre her. Beim Fahrerrepetitorium sind ausserdem nur ein Bruchteil aller Soldaten anwesend. Nicht jeder ist Fahrer. Irgendwo dazwischen, ein altbekanntes Gesicht: Ein Kamerad aus der Rekrutenschule. Noch einige Gesichter, welche ich zwar aus früheren Zeiten kenne, aber deren Namen ich vergessen habe.

Fahrzeuge fassen

Um 11.00 Uhr, eine Stunde nach offizielem Starttermin, werden wir unseren Fahrzeugen zugeteilt und erhalten zunächst keinen klaren Auftrag. Trotzdem werden nach und nach die Fahrzeuge begutachtet, Motorhauben geöffnet, Ölstände und Materialbestände kontrolliert. Mein Beitrag: Ich checke Lichter und Blinkanlage, Bereifung, Luftdruck und das Öl, dann realisiere ich, dass "mein" Eagle, so nennen Aufklärer ihre Aufklärungsfahrzeuge, keinen Kleber hat um das Truppenzeichen anzubringen. Ich organisiere den Kleber. Insgesamt arbeite ich weniger als 30 Minuten, und das auch noch relativ gemütlich.

Mittagessen um 12.00 Uhr. Es gibt ein Sandwich, eine Banane und 5dl Ice Tea. Weil das Wetter ziemlich heiss ist, wäre etwas mehr zu trinken nicht schlecht. Aber das kennen wir und heute hat es flüssig Wasser in der Nähe, also kein Problem. Anschliessend warten wir weiter und nutzen die Zeit, um erste Kontakte zu knüpfen. Ich realisiere, dass der Grossteil derjenigen, die ich noch kenne, im Verlauf dieses WKs ihren letzten Diensttag absolvieren.
"Kurz nach 13:00 Uhr werden Lösungen der theoretischen Fahrerprüfung per Smart-phone verschickt."

Theoretische Fahrerprüfung

Kurz nach 13:00 Uhr, nachdem kurzzeitig das Gerücht die Runde macht, dass wir dieses Jahr tatsächlich einen Parcours mit dem Fahrzeug abfahren müssen, werden Lösungen der theoretischen Fahrerprüfung per Smart-phone verschickt. Ich bemühe mich nur kurz einen Blick auf diese zu werfen. Während ich an der Prüfung sitze, merke ich das dazu gar keine Notwendigkeit bestand: Mein Sitznachbar hat das Telefon schon in der Hand, als er sich mit einem breiten Lachen hinsetzt. Wir sprechen nicht und machen trotzdem eine Gruppenarbeit. Unteroffiziere und Offiziere beobachten das Geschehen und reagieren nicht. Es wird schon seine Richtigkeit haben. Bevor ich den Lösungsbogen abgebe, lese ich die Fragen doch noch durch, einfach um die Regeln zu repetieren: Kein Alkohol, 6 Stunden Ruhezeit, ausser auf Übungen, wo zwei mal vier Stunden innerhalb von 24 Stunden reichen müssen. Ich unterschreibe ausserdem eine Erklärung, dass ich keine illegalen Betäubungsmittel verwende und mein Führerausweis nicht entzogen worden ist. Ich erinnere mich kurz an die Kontrolle des Führerausweises beim Einchecken heute morgen. Das wäre vermutlich nicht gegangen, wenn mein Führerausweis enzogen worden wäre. Ich schüttle die Sinnlosigkeit des Gedankens kurzerhand ab und bestehe den Test...mit 0 Fehlern. Ich werde ins lange Warten entlassen.

Nach über einer Stunde warten, suche ich mir ein ruhiges Plätzchen und schreibe die ersten Zeilen dieses WK-Tagebuchs. Es passiert immer noch nichts. Zwischendurch fragt jemand, ob ich zur ärztlichen Untersuchung müsse. Ich habe kein Aufgebot erhalten und kann deswegen nicht einmal diese potentielle Abwechslung wahrnehmen. Später erfahre ich, dass diejenigen die hätten gehen müssen, die Kontrolle nicht durchführen konnten, weil kein Militärarzt auf dem Waffenplatz zur Verfügung steht. Das Einrücken von über 300 Soldaten kam offenbar zu überraschend um einen Arzt zu organisieren. Ohne Worte...

Vorherige Seite Zum Inhaltsverzeichnis Nächste Seite


Nützliches
Zur Datenerfassung
Zur Diskussion
Chilijohny, der
Glossar
Sitemap


Social Media