Schlussfolgerungen

Mein persönliches Fazit meines sechsten WKs und der Aufarbeitung des WK Tagebuchs fällt grösstenteils neutral aus. Mit mehr als 100 Diensttagen in WKs, entsprach die Erwartung ziemlich gut der Realität. Dennoch gab es einige Aspekte, die mich positiv überrascht haben:
  1. Die Hilfe die unser Zug beim Velounfall am Tag 12 geleistet hat, steht sinnbildlich für das Potential der Armee: Menschen in Notsituationen zu helfen sollte eine Kernkompetenz der Armee sein.
  2. Kameradschaft und Toleranz: Unter Soldaten wie auch unter deren Vorgesetzten herrscht grundsätzlich eine gute Stimmung und ausgeprägte Kollegialität. Jeder hilft jedem so gut er kann. Die Schicksalsgemeinschaft schweisst zusammen.
  3. Sozio-kultureller Austausch: Wo sonst, wenn nicht in der Armee, habe ich die Gelegenheit mit Bauern, Anwälten und Ingenieuren von Bern, Zürich, St. Gallen, dem Wallis, dem Welschen oder dem Graubünden zu sprechen. Das Militär trägt sicherlich auch zum Interkantonalen Austausch und Akzeptanz verschiedener Ansichten und "Kulturen" bei.

Selbstverständlich gab es auch frustrierende Momente und Ereignisse. Einige davon sind sicherlich mit der Entscheidung verbunden, Soldat zu sein und keine Verantwortung zu übernehmen.
  1. Schlechte Organisation: Die ewige Warterei. Immer wieder sind es die gleichen Aufgaben, die für den Soldaten besonders mühsam und "reich an Wartezeit" sind.
  2. Verhalten im "Tenu grün": Sei es der Soldat der aus dem Truppentransporter jeder Frau nachpfeift oder die Hamburgertaufe an öffentlichen Plätzen; Junge Männer in Uniform verhalten sich selten Gentleman-like. Mein Vertrauen in moralisch angemessenes Verhalten in Notsituationen bei Soldaten und Kader (hier ausdrücklich bis zum Offiziersgrad!) ist nach wie vor stark angeschlagen.
  3. Unterschätzte Soldatische Fähigkeiten: Soldaten sind grundsätzlich weder schlechter ausgebildet noch unfähiger als Kader. Die Idee, dass Soldaten keine Verantwortung übertragen werden kann oder dass nur repetitive Aufgaben zuverlässig ausgeführt werden, ist absurd und schränkt das Potential der Armee stark ein. Soldaten sind ausgebildete Berufsleute mit kognitiven Fähigkeiten die es zu nutzen gilt. Sie sind auch in der Lage, ihre eigene Leistung zu reflektieren. Wenn Eigen- und Fremdbeurteilung regelmässig stark divergieren, schadet dies nicht nur der Glaubwürdigkeit der Vorgesetzten, sondern auch der Motivation der Mannschaft.

Entscheidende Fragen bezüglich der Daten die in diesem WK-Tagebuch erhoben und präsentiert wurden, drehen sich natürlich um die statistische Aussagekraft der Zeiten und Beschäftigungen. Es ist offensichtlich, dass nicht genügend Daten vorhanden sind um eindeutig zu sagen, dass alle Soldaten in jedem WK genau 27% ihrer Zeit mit "Warten/Pause" verbringen. Meine subjektive Einschätzung (basierend auf anderen Erzählungen) ist jedoch, dass im hier beschriebenen WK weniger Wartezeiten abgesessen worden sind als dies im landesweiten Durchschnitt der Fall wird.

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Nützliches
Zur Datenerfassung
Zur Diskussion
Chilijohny, der
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